Wenn ein Mensch ganz unten ist, kann danach gefragt werden, ob er dies zum Teil selber verursacht hat. Allerdings muss immer dabei berücksichtigt werden, was dabei eine Rolle gespielt hat. In einem Umfeld, in dem schon die geringste Abweichung vom Mainstream eine krasse Verfehlung bedeutet, muss zwingend danach gefragt werden, was das mit einem Menschen macht.
Was falsch und richtig ist,- was gut und böse,- was schlecht und unverdorben,- legt der Mensch das tatsächlich für sich selber fest, oder ist es das, was der Mainstream vorgibt,- die politische Korrektheit? Wo ist in dem ganzen Wust herniederprasselnder Vorgaben und Ansagen noch Raum für die ureigene menschliche Grösse?
Oder, ist jeder schon so klein gemacht, dass es gar nicht mehr zur Raumsuche in sich selber kommt? Was dabei bleibt, ist letztendlich die Selbstverachtung, schwerste Minderwertigkeitsgefühle, - das Häuflein Elend, das nach der Gehirnwäsche im Mainstream gedemütigt und der eigenen Würde beraubt übrig bleibt.
Und, es bleibt bei der bohrenden Frage: Ist das, was wir Recht und Unrecht nennen nicht doch ein Auswurf derer, die Macht haben um genau die Begriffe von Recht und Unrecht anderen einzuhämmern und vorzuschreiben?
Es sind jene, die sich für so mächtig erklärt haben, die uns vorgeben was als Recht und Unrecht zu sein hat, ohne sich unter Umständen selber daran zu halten. Mit dem, was sie vorgeben, versuchen sie sich und die auf ihre Untertanen zugeschnittenen Regeln und Gesetze zur Passform zu machen, samt ihrem eigenen Leben und jenem der Eliten - um diese Vorgaben der Allgemeinheit überzustülpen.
Das - was so bestimmt wird, um als Recht und Unrecht zu gelten, soll das massgeschneiderte Kleid für alle sein.
Damit aber packen sie das Leben anderer wie einen Brotteig, schlagen und kneten dieses zurecht wie es ihnen in ihre Pläne passt, und pressen zuletzt ihren Stempel darauf. Der Triumph der Macht jubiliert immer auf den Leichenbergen jener, die diese Behandlung nicht überlebt haben.
Aber, ist das menschliche Grösse?
Menschliche Grösse ist es, wenn ein Mensch sein eigener Masstab ist, seine eigene Moral, ohne danach zu fragen, welche Rücksichtslosigkeiten unter heuchlerischem Deckmäntelchen gerade wieder angesagt sein mögen.
Wer aber Geschichte schreiben will - sich verewigen will - der muss töten und über Leichenberge marschieren können. So Jemand muss andere ausschalten können, ohne Rücksicht auf Beziehungen und Gefühlsbindungen. Und dazu gehört ein gerütteltes Mass an wohlbedachter und gut oranisierter Rücksichtslosigkeit, - dazu gehört kriminelle Energie. Dazu gehört es, Grausamkeit geradezu zelebrieren zu können wie eine schwarze Messe, und so Jemand muss mit Menschen und deren Leben spielen können.
Unter Umständen gehört es auch zu einer solchen Macht, die zu beseitigen, denen man den eigenen Aufstieg verdankt.
Die Geschichte selber, ohne Scheuklappen betrachtet, ist die beste Antithese dagegen, dass Macht etwas Gutes darstellt. Doch immer wieder sagt sich der Mensch, dass er Führung braucht, und wählt sich seine Schlächter selber.
Menschen, die tatsächlich jene Qualitäten haben würden, welche die Wähler in den Typen suchen, die ihnen beim Ankreuzen auf dem Wahlschein zur Verfügung stehen, stellen sich zumeist nicht zur Wahl. Sie wollen diese schmutzioge Macht nicht ausfüllen, in der man über andere Menschen herrscht, mit der Ausrede, dass das der Dienst am Bürger sei.
Ein Mensch, der behutsam sein kann, liebevoll und achtsam, kann nicht herrschen wollen. Solcher Mensch - der wohltuend ist, hilfsbereit, wohlwollend, der kann andere Menschen nicht kontrollieren, und über sie und ihre Leben bestimmen wollen.
Auch ein Mensch, der anderen Spass und Freude bereiten will, kann diese anderen Menschen nicht beherrschen wollen.
Was also wählen wir?
Vereinzelt mögen es einige Leute sein, die mit dem Wunsch angetreten sind, etwas zu ändern an diesem Machtgefüge, - etwas zu ändern an der Verkrustung des Herrschaftlichen. Mit der Zeit aber ist diese Herrschaft der Macht stärker als sie, und sie werden dem Apparatismus einverleibt.
Wer sich rühmen muss, welches tolle System zu Wege gebracht wurde, - wer sich gross macht unter den anderen Leuten allen, wie das auch Kanzlerin Merkel tut, der aus einem mickrigen Charakter heraus angetreten.
Wer alle anderen wegbeisst, wie ein bissig gemachter Kamphund, damit die Stellung ganz oben gehalten werden kann, ist voller Hohn, aber nicht voller Güte,- und muss alle anderen die bleiben dürfen, unter sich selber ducken. Es ist blanker, zynischer Machtwille, dem sich die Bürger, die diese "Führung" für sich gewählt haben, gegenüber sehen.
Es sind Legenden, wenn wir von Ordnungsmacht und starker Hand reden, denn das Meiste was an Gutem dahergeredet wird, ist Propaganda, hinter der die wahren Verhältnisse wie mit einer Decke verhüllt werden. Im Namen des Volkes werden die Politiker zu jenen Raubrittern, die selber alles das tun, was sie nach innen den Bürgern verbieten.
Und allmählich scheint es den Menschen aufzugehen, warum diese Herrschaften so handeln können: Sie haben sich zu mächtig gemacht, als dass es noch eine Straf- oder Ordnungsinstanz geben würde, die ihnen Einhalt gebieten könnte.
Macht ist wieder Selbstzweck geworden, und rechtfertigt es, dass dafür Menschen geopfert werden. Der Bürger muss heute wieder achtgeben darauf, was er sagt, damit er sich und sein Bisschen an Karriere oder Lebensgestaltung nicht gefährdet. Wer sich zu sehr aus dem eigenen Fenster seines Daseins lehnt, der kann auch wieder erschossen werden.
Niemals werden jene, die das Spiel mit der Macht betreiben, von selber zu sich kommen, und dies beenden. Dazu ist die Versuchung und das Sein in der Macht zu angenehm für sie. Immer werden sie weiter ausloten, wie weit sie noch gehen können, um die Bürger zum Leuchtfeuer ihrer Erhabenheit zu machen - die Menschen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, und wenn sie diese dabei verbrennen müssen.
Jeder Verlust für die Bürger an Recht ist nur ein Anfang und Einstieg für den weiteren Schritt. Jeder geopferte Mensch ist immer nur eine weitere Treppenstufe empor für jene, die über andere herrschen - hin zu deren eigener Triumphvermehrung.
Wie aber können die Wähler annehmen, dass solche Menschen die lediglich der Macht dienen, für ihr Wohl sorgen werden?
Wie können die Religionen ihren Anhängern immer wieder einreden, dass eben diese Machtgier göttlich eingegeben sei?
Nein, das ist nicht einfach damit erledigt, dass man sagt, die Religion und die Politik arbeite Hand in Hand. Denn, wenn man das sagt - und obwohl es stimmt - muss man auch danach fragen, wie es dazu kam. Wer hat es zugelassen, dass eine ursprünglich gute Sache so entfremdet wurde, und die Menschen beherrschen kann.
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es eben wieder und wieder genug Menschen gibt, die dies ignorieren, wenn nicht sogar in Ordnung finden. Es gibt genug Menschen, die sich das alles einreden lassen, und es hinnehmen, als von einem Gott gegeben, an den sie bedingungslos glauben wollen - während sie ihre Bedingungen und die ihres Gottes allen anderen Lebewesen überbraten wollen.
Aber, wenn es einen solchen Gott geben soll, warum dann Herrscher und Politiker? Warum Päpste und Pfaffen? Ist es nicht eigentlich so, dass dieser Gott direkt über dem jeweiligen Menschen wäre, ohne irgendwelche Zwischenhändler, die sich daran hochziehen und ihre Mächte entwickeln?
Doch die Menschen stellen sich blind, taub und stumm, und betreiben weiter das, was die Politik ihnen vorgibt - auch dann, wenn diese verderblich und tödlich ist.
"Wir kommen ohne Verwaltung nicht aus", sagen die Menschen. Das ist alles, was sie dazu zu sagen haben, und manche fügen hinzu, dass die Grausamkeiten, die zwangsläufig daraus erwachsen, eben zu ertragen seien. An Vermenschlichung dieser Verwaltung, daran, dass auch diese und die gesamte Politik darum herum auf Humanität zu überprüfen und zu kontrollieren wäre, denken die wenigsten, die sich darüber auslassen.
Wer nicht an einen Gott glaubt, braucht lediglich darüber nachzudenken, dass er sich dem Leben selber verdankt, und dass das etwas sein sollte, vor dem der Mensch Ehrfurcht haben sollte. Wie kann es ein Mensch zulassen, dass eine andere Macht sein Leben zu ruinieren vermag, ohne, dass er schreiend durch die Gassen rennt?
An dieser Stelle ist doch zu bemerken, wie sehr der Lebenstrieb der Menschen schon zurechtgeduckt und ausgerottet wurde. Sie lieben sich selber nicht mehr genug, geschweige denn die anderen neben sich. Jeder ist verzweckt worden, und ohne dieses Dasein als Mittel zum Zweck anderer, können sich die Meisten ihr Leben nicht mehr vorstellen - während sie diese anderen zumeist jedoch verachten.
Weit haben wir es gebracht.
Noch weiter haben es jene gebracht, die ihrem Gott huldigen. Sie nehmen ja an, dass diesem Gott auch nichts mehr heilig ist, ausser der Grausamkeit der Macht. Sie unterstellen, dass es gottgefällig ist, ein derartiges Dasein zu fristen - enthirnt, gehorsam der Obrigkeit, Hauptsache gesund, damit man genug Frondienste ableisten kann.
Welcher Sadismus und Masochismus reitet diese Leute, dass sie sich und anderen einen derartigen Gott zumuten, mit der Behauptung zumeist, es sei trotzdem ein Gott der Liebe?
Wie soll da ehrliche und aufrichtige Liebe zwischen Menschen eine Chance haben, wenn der vorgebene Gottes- und Machtwahn schon derart verwirrend und verkorkst ist?
Leider werden diese Machenschaften nicht als Irrsinn gebrandmarkt.
Es wird ein langer Weg sein hin zu mehr Menschlichkeit und Leben in Würde für jeden Menschen ohne Ausnahme.
Wir sind alle zu befangen in den Machtstrukturen, und haben zu lange bequem zugelassen, dass sie sich über uns erheben konnten, statt uns zu dienen.
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